Viel Reden und nichts Sagen

‚Der Hund muss nur zuhören, dann versteht er auch was ich will!‘

Eine weit verbreitete Meinung. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wenn man dann noch nicht mal die selbe Sprache spricht ist das unmöglich. Das Ergebnis ist dann für beide Seiten nicht zielführend.

Ich möchte euch hier eine kleine Geschichte erzählen, die sich im Frühjahr so zugetragen hat:

Es war ein schöner Frühlingstag und ich war am frühen Abend mit meinem Hund unterwegs. Unser Weg führte an einer Wiese vorbei auf dem ein älterer Mann mit einem jungen Hund war. Der Mann mag um die 70 Jahre gewesen sein und der Hund war ein knappes halbes Jahr. Die Rasse weiß ich nicht mehr aber es war, ausgewachsen, ein ca. 30 kg Hund. Also nicht so was ganz Kleines. Fast an der Wiese angekommen hörte ich den Mann seinen Hund rufen. Aber nichts passierte. Auch als das Rufen strenger und lauter wurde, reagierte der Hund überhaupt nicht. Das Rufen des Mannes wieder holte sich noch ein paar mal und der Hunde ignorierte ihn jedes mal.
Doch dann passierte es, der Mann griff in seine Jacke, holte eine Hundepfeife heraus und blies mit aller Kraft hinein. Da es keine lautlose Pfeife war ertönte ein schriller lauter Ton. Einmal, zweimal, dreimal. Ich schaute den Mann fragend an und er entschuldige sein Verhalten. ‚Der ist nach ganz jung, der muss die Pfeife noch lernen‘, und blies weiter drei mal kraftvoll in die Pfeife.

Was ist hier passiert?

Es sind mehrere Dinge passiert, die aus Hundesicht ganz in Ordnung waren, aus Menschensicht aber nicht. Der Mann wollte, dass sein Hund zu ihm kommt. Er hat versucht mit seinem Hund zu kommunizieren um ihm sein Anliegen zu vermitteln. Zuerst mit seiner Stimme, dann mit lauter Stimme und zum Schluss mit der Hundepfeife. Ich werde mal diese drei Aktionen des Mannes einzeln analysieren.

Er ruft den Hund: Das Rufen hat der Hund schon beim ersten Mal gehört, hat es aber gar nicht auf sich bezogen. ‚Die Menschen sprechen ja den ganzen Tag. Ich bin da ja nie gemeint. Jetzt bin ich auch bestimmt nicht gemeint. Außerdem habe ich hier jetzt was ganz wichtiges gerochen.‘

Er ruft den Hund strenger: ‚Der Mensch spricht schon wieder. Ich bin bestimmt nicht gemeint. Aber die Lautstärke ist schon nervig. Ich muss jetzt mal an der anderen Seite riechen.‘

Er pfeift mit der Hundepfeife: ‚Jetzt hat das Nerven aber seinen Höhepunkt erreicht. Kann der nicht damit aufhören. Ich guck mal zu ihm hin. Jetzt wedelt er auch noch mit den Armen, nerviges Ding. Bringt mich an meiner Spur ganz durcheinander. Jetzt habe ich sie auch noch verloren. Erst mal wieder suchen…‘.

Zusammengefasst: Der Mann hat es gut gemeint, hat aber versäumt seinem Hund beizubringen ‚Wenn ich rufe kommst du‘ und ‚Wenn ich pfeife kommst du ganz schnell‘.

Was hätte der Mann tun müssen?

Als erstes muss der Hund das Kommando „zurück zum Herrchen“ lernen. Das Kommando sollte ein einzelnes Wort (möglichst einsilbig) oder ein Geräusch sein. Das Wort soll in der Menschenumgangssprache nicht so häufig verwendet werden, z.B. ein langgezogenes ‚hiiier‘. Ein Schnalzen mit der Zunge oder Klatschen in die Hände sind auch möglich. Die ersten Übungen macht man in der Wohnung bei einer Entfernung von weniger als einem Meter. Immer verstärkt mit einem Leckerchen und ganz viel Lob.

Der Hund wird merken, dass sein Herrchen sich freut und Leckerchen verteilt, wenn er zu ihm kommt. Diese Verhalten wird vom Hund immer öfter gezeigt.

Was ist Kommunikation

Die Psychologie definiert Kommunikation so:
Bestandteile und Varianten von Kommunikation: Wenn Kommunikation aus Senden und Empfangen besteht, bedarf es sechs unabdingbarer Bestandteile.

Es braucht mindestens:

  1. je einen Sender und Empfänger
  2. eine Nachricht (Information)
  3. ein gemeinsames Zeichensystem, das sowohl Sender als auch Empfänger verschlüsseln (enkodieren) und entschlüsseln (dekodieren) können
  4. auf Seiten von Sender und Empfänger die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Dekodierung und Enkodierung
  5. einen Kanal, auf dem die Nachricht weitergegeben werden kann
  6. einen Kontext, in dem Kommunikation stattfindet

Das ist jetzt aus dem Lehrbuch (Spektrum.de) und ein bisschen trocken. Ich übersetze das mal für die Mensch-Hund Kommunikation. (Hier spricht der Mensch zu dem Hund)

  1. Mensch = Sender, Hund = Empfänger
  2. ein Kommando (Information)
  3. das gemeinsame Zeichensystem kann ein Wort, ein Geräusch oder eine Gebärde sein
  4. wir müssen ein Zeichensystem wählen, das vom Hund verstanden werden kann und das wir auch ’sprechen‘ können. Den Satz ‚Hör jetzt mal auf zu spielen, wir müssen jetzt nach Hause‘ wird der Hund nicht so einfach verstehen können (siehe: Satzverständlichkeit) und wenn wir bellen kommt für den Hund mit Sicherheit nichts Verständliches heraus.
  5. der Kanal ist in unserem Fall wie das Kommando zum Hund übertragen wird. Hier sind es visuelle oder auditive Kanäle (einkanaliger – z.B. nur optisch – und mehrkanalig – z.B. optisch und akustisch).
  6. der Kontext ist das Drumherum. Wir sind auf einer Wiese, im Wald, in der Stadt, zu Hause in der Wohnung, im Garten. All dies hat Einfluss auf das Verstehen und Interpretieren unseres Kommandos. (siehe: Kontext bezogene Kommandos)

Das WIE

Jetzt tritt die Frage auf WIE sage ich es meinem Hund. Wir haben ja mehrere Möglichkeiten der Kommunikation mit unserem Hund.

  1. das geprochene Wort, z.B. ‚Platz‘
  2. das Geräusch, z.B. ein langes Zischen
  3. eine Gestik, z.B. der nach unten zeigende Zeigefinger

All dieses würde bei meinem Hund ein Hinlegen auslösen.

Die Vor- und Nachteile dieser drei Kommunikationsarten.

  1. Das gesprochene Wort ist für den Hund die schwierigste Art des Verstehens. Sie hat mehrere Nachteile für den Hund. Zum einen gibt es eine unendliche Anzahl von Worten, die zum großen Teil auch noch sehr ähnlich, für den Hund wahrscheinlich gleich, klingen, zum anderen ist das gesprochene Wort immer mit Emotionen belastet. Ein neutral gesprochenes Wort gibt es nicht. Viele Hundeexperten sagen, dass der Hund das Wort gar nicht versteht sondern nur den Tonfall. Ich kann das nicht bestätigen aber auch nicht ganz dementieren. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte.
  2. Mit Geräuschen, wie Pfeifen, Zischen, Schnalzen, Klatschen oder Schnipsen habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Der Ton ist eindeutig, weitgehend emotionslos und somit für den Hund einfach zu verstehen. Die Reaktion des Hundes ist in der Regel schneller und direkter als bei einem gesprochenen Wort. Je nachdem welches Geräusch man nimmt (pfeifen, klatschen) erreicht man den Hund auch auf einer größeren Distanz.
  3. Die Gestiken ordne ich sehr nah zu den Geräuschen ein. Sie sind für den Hund vielfach eindeutig und unmissverständlich und ich erreiche den Hund auf einer großen Distanz. Der Nachteil: Wenn der Hund aus meinem Blickfeld verschwunden ist, erreiche ich ihn nicht mehr. Ebenso wenn der Hund in eine andere Richtung schaut als zu mir. Ich benötige zur Gestikulierung immer ein Geräusch oder gesprochenes Wort, mit dem Kommando: Achtung! Mich anschauen!

Wie du siehst gibt es viele Möglichkeiten um mit dem Hund zu ’sprechen‘ und um ihm unser Kommando zu übermitteln. Welches für deinen Hund das Beste ist musst du selbst herausfinden. Es ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Es ist aber recht einfach herauszubekommen. Der Hund reagiert bei der einen Art der Kommandoübermittlung schneller als bei einer anderen Art. Das ist dann die bessere.

Das WAS

Ein einfaches Kapitel. Eigentlich ist das mit einem Wort gesagt.

Merke:

Nehmen als Kommando was du willst, aber für jede Aktion immer das selbe.

Ob du für das Kommando hinlegen , ‚platz‘, ‚legdich‘, ‚down‘, ‚ligg ner‘ oder ‚Bügelbrett‘ sagen ist egal. Nur sollte es immer das gleiche Kommando für eine bestimmte Aktion sein. Ich bekam mal einen 8 jährigen Hund aus Belgien. Die Grundkommandos kannte er alle, aber auf Französisch.

Die Lautstärke

Viel diskutiert, meist aber falsch. Ich frage mich oftmals, warum schreit der jetzt seinen Hund so an. Die Antwort des Hundeführers ist dann oftmals: Man muss Kraft in die Stimme legen, damit der Hund sofort weiß, dass man es ernst meint. Meist auch mehrfach hintereinander.
Oh je. Ganz falsch.
Hier können und werden zwei verschiedene Reaktionen vom Hund kommen.

  1. Der Hund reagiert erstmal nicht. ‚Das Rumgebrülle kenne ich schon. Der schreit auch gleich nochmal. Immer mit der Ruhe.‘ Die Reaktion des Hundes ist also schleppend und motivationslos.
  2. Der Hund reagiert zwar aber sehr verhalten und langsam. ‚Jetzt meckert der schon wieder. Was habe ich denn jetzt falsch gemacht. Ich gehe mal ganz langsam auf ihn zu und beschwichtige Herrchen. Vielleicht werde ich dann nicht mehr angeschimpft.‘ Die Reaktion des Hundes ist also schleppend und deeskalierend.

So geht es besser: Die grundsätzliche Kommunikation mit dem Hund ist leise. Ganz leise. Wenn du mit Hund und Freund spazieren gehst und dein Hund geht 5 Meter vor und dein Freund 5 Meter hinter dir geht, solltest du so leise das Kommando abgeben, dass dein Freund dieses nicht mitbekommt. Der Hund muss mit einem Ohr immer bei dir sein. Ohren auf ‚Durchzug‘ geht nicht, weil er dann deine Kommandos nicht mehr mitbekommt. So habe ich schon mal einen aufmerksamen Hund beim spazieren gehen.

Merke:
Sprich leise mit deinem Hund dann hört er dir auch zu und ist nicht so schnell abgelenkt.

Wir sagen A und meinen B

oder Körpersprache.

Die Körpersprache ist für Hunde ein wichtiges Kommunikationsmittel. Ca. 80% der Kommunikation läuft bei Hunden nonverbal ab. Viele kenne das Schwanzwedeln oder das Zähnefletschen. Beides sind Mitteilungen an den anderen Hund die aus der Situation heraus Eindeutig sind. Die Situation ist wichtig und hat eine große Einflussnahme auf den Wert der körperlichen Aktion. Ich will mal ein Beispiel nennen, dass vielleicht schon jeder einmal gesehen hat.

Ein paar kleine Beispiele

Fall 1:
Zwei Hunde begegnen sich. Der Kopf wird etwas nach unten gelegt, das Nackenhaar wird aufgestellt und die gesamte Muskulatur wird angespannt. Es ertönt ein leichtes Grollen und die Zähne werden gezeigt. Wenn dieses Verhalten beide Hunde zeigen, würde ich meinen Hund jetzt bremsen um die Situation zu entschärfen. – Dieses Situation kann unangenehm werden.

Fall 2:
Zwei Hunde spielen ausgelassen zusammen auf einer Wiese. Plötzlich zieht einer die Lefzen hoch. – Dieses Zähne zeigen gehört zum Spiel und ist nicht beunruhigend.

Fall 3:
Zwei Hunde begegnen sich in der Wohnung. Hund A wohnt hier, Hund B kommt zu Besuch. Es ist alles entspannt und absolut friedlich. So lange bis Hund B an das Spielzeug von Hund A geht. Das will Hund A nicht. Er zeigt kurz die Zähne ohne zu knurren und der andere Hund weicht zurück. Hund B testet nun jedes einzelne Spielzeug und bekommt jedes mal die Zähne gezeigt. Nachdem er jedes Spielzeug durchgetestet hat, gibt er auf. – Eine eindeutige Kommunikation die auch eindeutig verstanden wird. Wir sollten uns auch nicht einmischen.

Diese Art der Kommunikation ist auch für den Menschen eindeutig zu erkennen. Das ist aber nicht immer so. Ich schätze mal, dass 90% der Kommunikation zwischen Hund und Mensch von den meisten Menschen nicht verstanden oder gar bemerkt werden. Manchmal muss man schon genau hinschauen.

Der Hund versteht es

Der Hund versteht nicht nur die Körpersprache anderer Hunde sondern auch die Körpersprache von uns Menschen. Zu mindestens gibt er sich viel Mühe. Da es für den Hund eine natürliche ‚Sprache‘ ist, ist es für Ihn normalerweise ein leichtes uns zu verstehen – wenn wir unsere Körpersprache richtig einsetzen würden. Wir sprechen und gestikulieren dabei und meinen das ist richtig. Aber hier kommt es zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen durch den Hund: denn unsere Sprache, unserer Tonfall und unsere Gestiken sind nicht eindeutig und gehören oftmals nicht zusammen. Ein paar Beispiele:

  • Wir sagen Ja, und schütteln den Kopf
  • Wir rufen den Hund und stellen uns quer in seine Richtung

Merke:
Achte auf deinen Hund und auf deine Körpersprache. Oft ist uns nicht bewusst was wir falsch machen. Der Hund wird es danken. 

Satzverständlichkeit

Die Satzverständlichkeit ist beim Hund wesentlich schlechter ausgeprägt als bei uns Menschen. Wenn wir in ganzen Sätzen mit unserem Hund sprechen, hört er uns zwar gebannt zu und findet es auch ganz toll, dass wir mit ihm sprechen. Aber was wir von ihm wollen und was er jetzt tun soll, versteht er nicht. Im Laufe der Jahre wird er zwar einzelne Worte aus dem Satz verstehen und auch reagieren, aber einen Sinn versteht er nicht. Dazu ist das Gehirn des Hundes nicht in der Lage.

Ein Beispiel

Ich sage zu meiner Frau: ‚Ich muss noch mit dem Hund raus‘. Mein Hund steht auf und kommt schwanzwedelnd auf mich zu.

Ich sage zu meinem Hund: ‚Komm, wir gehen raus‘. Mein Hund wird auch jetzt aufstehen und schwanzwedelnd auf mich zu kommen.

Was hat der Hund nun ‚verstanden‘?

In beiden Sätzen kommt das Wort ‚raus‘ vor. Dieses Wort hat er aus den beiden Sätzen herausgefiltert und entsprechend reagiert. Er hat also die beiden Sätze nicht verstanden aber das eine Wort kam ihm bekannt vor.

Merke:
Wenn du mit deinem Hund redest und erzählst ist das nett gemeint und der Hund findet es auch toll, aber den Sinn des Gesagten versteht er nicht.

Was der Hund auch noch bewerten kann und worin er ein Meister ist, sind die Interpretation von Gefühlslagen. Der Hund ist ein relativ empathisches Wesen. Es kann unsere Gefühlslage schnell erkennen und auch beurteilen. Da wir in solchen Fällen mit unserer Stimme sprechen, haben wir auch immer einen ‚Gefühlsanhang‘ mit dabei. Stimme ohne Gefühl geht bei uns Menschen nicht. Das lernt der Hund und kann es schnell lernen und somit auch Interpretieren.

Es gibt einfachere Verhaltensweisen des Menschen, die der Hund eindeutig interpretieren und somit auch verstehen kann. Es handelt sich dabei fast immer um Geräusche oder unsere Verhaltensweisen.

Ein Beispiel

Ich habe an der Garderobe zwei Jacken hängen. Eine Jacke für normale private Aktivitäten und eine Jacke, die ich anziehe wenn ich mit dem Hund raus gehe. Unsere Garderobe hängt in Hörweite unseres Hundes. Wenn ich nun eine Jacke anziehe steht mein Hund neben mir. Es kommt sofort von seinem Schlafplatz angelaufen, in der Hoffnung, dass es raus geht. Nun schaut er was für eine Jacke ich anziehe. Wenn ich die ‚falsche‘ Jacke anziehe, dreht er sich rum und legt sich wieder auf seinen Schlafplatz. Ziehe ich aber die Hundejacke an, dann …

Was hat der Hund nun ‚verstanden‘?

Zwei Dinge hat er gelernt und auch verstanden.

  • Jacke rascheln könnt das Aufbruch-Signal zum rausgehen sein
  • Die Art der Jacke bewertet er. Wenn die Hundejacke nicht angezogen wird, passiert nichts und er kann sich wieder hinlegen.

Das Hund hat ein eindeutiges Geräusch gehört (rascheln mit der Jacke) und er hat die Jacke erkannt. Dieses Erkennen ist für den Hund einfach. So etwas kann das Hundegehirn.

Andere Kommunikationsarten

Andere Kommunikationsarten als das Wort, das Geräusch und die Gestik haben wir nicht. Die Sinne die wir mit dem Hund gemein haben und die von uns beeinflussbar sind, sind nur die Augen und die Ohren. Damit müssen wir auskommen. Das reicht aber auch.

roland kruggel, August 2021

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