Wie schon in dem Blog Kommunikation I in Teilen beschrieben ist Kommunikation ein ganz wichtiges Thema. Hier geht es nicht um allgemeine Kommunikation sondern um das gezielte Gespräch mit dem Hund. Wir müssen ’sprechen‘ und ‚hören‘ lernen. Das geht auf einem etwas anderen Weg wie man ein Gespräch mit Menschen führt.

Wie spreche ich mit meinem Hund

Wie wir schon im Teil 1 (Kommunikation I) gelernt haben haben wir drei Möglichkeiten mit dem Hund zu kommunizieren. Das gesprochene Wort, das Geräusch und die Gestik. Oft werde ich gefragt, was ist denn das Beste. Welche Kommunikationsart soll ich nehmen. Eine einfache Frage die aber nicht so ganz einfach zu beantworten ist. Es kommt auf den Hundetyp und auf das Einsatzgebiet des Hundes an. Fangen wir mit dem Einsatzgebiet an:

Das Einsatzgebiet

Der Jäger auf der Jagd will seinem Hund oftmals ein Kommando geben ohne viele Geräusche zu machen. Ein lauter Pfiff wäre da nicht angebracht. Hier wäre die Gestik das Richtige. Eine flache waagerechte Hund leicht nach unten bewegt und der Hund legt sich hin. Wenn der Hund gerade hinter einen Hasen herrennt wäre der laute Pfiff auf der Hundepfeife gut. Er ist weit zu hören.

Der Rettungshund, z.B. Rettungshund für Flächensuche, läuft meist autark und ohne Leine. Er muss jedoch von Zeit zu Zeit mal gebremst werden oder in eine bestimmte Richtung geschickt werden. Hier brauche ich zwei Kommandos. Das erste Kommando ist ein Geräusch damit der Hund zu mir schaut und sich „ansprechen“ lässt. Das zweite Kommando ist eine Gestik. Z.B. ein Richtungswechsel.

Der Hirtenhund wird oft fast ausschließlich über Geräusche gelenkt. Die Kommandos werden von dem Schäfer als verschiedene Pfiffe gegeben und der Hund weis dann was er tun soll.

Der normal Spaziergänger und Hundehalter hat es etwas einfacher. Sein Hund ist/sollte immer in seiner Nähe sein. Er kann somit sowohl das gesprochene Wort, das Geräusch und die Gestik benutzen.

Der Hundetyp

Da jeder Hund ein Individuum ist, kann ich dieses hier gar nicht beantworten oder beschreiben. In der Regel reagiert der Hund auf ein Geräusch besser als auf das gesprochene Wort und auf eine Geste besser als auf das gesprochene Wort aber schlechter als auf das Geräusch. Somit ergibt sich eine Reihenfolge (von gut nach schlecht)

Geräusch – Gestik – Wort

Wie kriege ich das raus

Wenn du dich in einer ruhigen Umgebung aufhältst und mit deinem Hund möglichst alleine bist, also ohne Ablenkung, spreche dieses Wort oder Geräusch welches du nehmen möchtest. Du wirst feststellen, dass dein Hund auf das eine oder andere Geräusch besser reagiert als auf ein anderes. Das wäre dann das Geräusch das du für eine bestimmte Aktion nehmen kannst. Diese ‚Geräuschversuche‘ kann man auch draußen wiederholen, oder auch mal wenn der Hund in tiefem Schlaf versunken ist. Er sollte jedesmal irgendeine Reaktion zeigen.

Aber Vorsicht! Die Geräuschversuche nicht Überstrapazieren. Wenn dein Hund zwei bis drei mal reagiert hat, dann muss das Geräusch ein eine Aktion gebunden werden. Sonst lernt der Hund „Ach ja, das Geräusch kenne ich, da passiert nix.“

Der will mich nur ärgern

Oh nein.

Das kann ein Hund nicht. Das sind Machtkämpfe. Lies im nächsten abschnitt (Der Hund ignoriert mich) weiter

Der Hund ignoriert mich

Dieses Verhalten sehe ich sehr oft. Es ist ein ganz natürliches Verhalten der Hunde. Es sind Machtkämpfe. Hin und wieder muss der Hund mal austesten ob das Herrchen immer noch das Sagen hat oder ob er vielleicht schon am schwächeln ist und er das Kommando übernehmen muss. Immer mit dem Hintergedanken ‚Das Rudel braucht Führung‘

Du solltest dich in diesem einem solchen Fall immer durchsetzen. Auch wenn es lästig ist oder in deiner Situation unpassend ist.

Ein kleines Beispiel

Du gehst mit deinem Hund, angeleint, spazieren und triffst eine Bekannte. Ihr bleibt beide stehen und es entwickelt sich ein Gespräch. Weil dein Hund ein wenig unruhig um dich herum zippelt, sagst du ‚Sitz‘. Dein Hund ist aber total anderer Meinung. Er zippelt und schnüffelt weiter um dich rum.

Was tust du nun.

  1. Das Gespräch mit der Bekannten ist wichtiger, der Hund muss sich ja auch nicht unbedingt setzen. – Der Hund wir jetzt ganz automatisch lernen „‚Sitz‘ ist nicht ‚Sitz‘. Ich muss das Kommando nicht unbedingt immer ausführen. Wenn ich stehen bleibe ist das auch ok.“ Dieses Verhalten ist noch nicht einmal böse gemeint. Er befolgt nur den Befehl den er gelernt hat. ‚Sitz‘ bedeutet: „Wenn du lust hast dann setz dich hin“. Ich glaube das wollen wir nicht. Beim ersten mal ist das Verhalten ja noch ok, beim zweiten mal vielleicht auch noch, aber spätesten ab dem dritten mal wird es lästig. Der Hund transportiert dieses befehlsignorieren auch auf andere Situationen (siehe: Kontextbezogene Kommandos) und, viel schlimmer, auch auf andere Kommandos. All das wollen wir nicht.
  2. Du unterbrichst dein Gespräch und bestehst auf dem ‚Sitz‘. – Das ist im ersten Moment sehr lästig. Du musst das Gespräch unterbrechen, deine Bekannte steht erstmal alleine rum. Insgesamt eine etwas unglückliche Situation. Aber – Auf lange Sicht gesehen tritt diese Situation nur wenige mal auf. Wenn du das Kommando jetzt durchsetzt, auch wenn es mehrere Minuten dauert, lernt der Hund ‚Sitz‘ bedeuten: „Den hintern auf die Erde. Und zwar sofort.“ Bei den nächsten Treffen beim spazieren gehen wird das Kommando ‚Sitz‘ immer prompter ausgeführt. Dieses Verhalten wollen wir.
Merke:
Das Ignorieren des Hundes hat zwei Ursachen:
1. Der Hund führt gerade einen Machtkampf mit dir aus.
2. Du hast deinem Hund gelehrt, dass das er es sich aussuchen kann ob er dein Kommando ausführt oder nicht.

Das Kommando

( … bald geht es weiter )

Kontextbezogene Kommandos

Bei einem kontextbezogenen Kommando ist das Kommando immer mit etwas anderem, in diesem Fall dem Kontext, verknüpft. Hunde sind Meister in diesen Verknüpfungen. Meistens ist er unerwünscht (der unabsichtliche Kontext) es kann jedoch auch für uns nützlich sein und ganz gezielt eingesetzt werden (der absichtliche Kontext).

Der unabsichtliche Kontext

Ich will gleich mit einem Beispiel anfangen:

Ein Mann kommt mit seinem Hund vom Hundeplatz zurück und will sofort einer Frau das heute Gelernte vorführen. Das Kommando ‚Platz‘. Er hat es ja schon eine ganze Weile geübt, jetzt kann der Hund es. Zu Hause ruft er seinen Hund, hebt die Hand zum Zeichen für ‚Platz‘ und sagt, voller Stolz, ‚Platz‘. – Nichts passiert. Noch einmal ‚Platz‘. Immer noch nichts. Noch einmal ‚Platz‘. Der Mann ist schon ganz verzweifelt. Er entschuldigt sich vielmals bei seiner Frau, schaut den Hund vorwurfsvoll an und schickt ihn auf seinen Platz. Das klappt zumindest.

Was ist passiert?

Der Hund macht alles richtig. Er hat das Kommando ‚Platz‘ mit der Örtlichkeit (Kontext) Hundeplatz verbunden. Also Hundeplatz und Kommando ‚Platz‘ heißt: hinlegen. Zu Hause fehlt aber der Hundeplatz. Somit ist ‚Platz‘ ein Kommando welches er nicht kennt.

Was kann ich tun?

Des Rätsels Lösung ist im Grunde genommen recht einfach. Man lehrt dem Hund das Kommando ‚Platz‘ nicht nur auf dem Hundeplatz sondern auch zu Hause im Wohnzimmer, im Garten auf dem Balkon, etc. Der Hund lernt so, dass das Kommando nichts mit dem Ort zu tun hat sondern überall gilt. Die Verknüpfung mit dem Kontext wird von dem Hund aufgelöst.

Der absichtliche Kontext

Es gibt noch einen absichtlichen Kontext. Den absichtlichen Kontext möchte ich hier auch in einem Beispiel erklären:

Fall 1:
Ich stehe vor der Haustür und will mit dem Hund spazieren gehen. Der Hund steht neben mir. Ich schnalze leise mit der Zunge. Der Hund setzt sich hin.

Fall 2:
Ich gehe auf einer, nicht stark befahrenen, Straße und ein Auto kommt. Ich schnalze leise mit der Zunge. Der Hund geht sofort an den Straßenrand.

Fall 3:
Der Hund läuft viel zu weit vor. Ich schnalze leise mit der Zunge. Der Hund bleibt stehen und wartet auf mich.

Es handelt sich hier um drei grundsätzlich verschiedene Aktionen. Das Kommando ist jedoch immer das gleiche. Ich schnalze leise mit der Zunge. Auch in diesem Fall ist das Kommando kontextbezogen. Der Unterschied ist nur der, dass wir in diesen Fällen den Kontextbezug haben wollen.

Es braucht ein wenig Zeit, mehrere Jahre, bis die kontextbezogenen Kommandos sitzen. Aber dann ist es wirklich einfach. Wir müssen uns keine große Anzahl von Befehlen merken und der Hund tut trotzdem das was wir wollen. So etwas grenzt schon fast an Zauberei.

Unabsichtliche Kommandos

Unabsichtliche Kommunikation passiert oft wenn wir Worte sagen, Geräusche erzeugen oder Gestiken von uns geben die einem Kommando gleich oder ähnlich sind. Der Hund fühlt sich angesprochen und reagiert entsprechend, wird dann aber von uns ignoriert oder wieder weggeschickt. Das hat zur Folge, dass der Hund bei einem echten Kommando irgendwann nicht mehr reagiert und sich nicht mehr angesprochen fühlt.

Was kann man dagegen tun?

Zwei Verhaltensmaßnahmen sind Zielführend:

  • Überlege genaue, eindeutige und prägnante Kommandos die eindeutig für den Hund sind und die du im täglichen Gebrauch nicht benutzt. Es könne Worte, Geräusche oder Gesten sein.
  • Spreche den Hund direkt an. Wenn du deinen Hund anschaust und was sagst weis er das du ihn meinst.
  • Leite ein Kommando mit eine Präfix ein. Ich nehme z.B. ein doppeltes Zungen schnalzen. Dann weis mein Hund das das nächste Kommando ihm gilt.

Auf dieser Art und Weise sind wir eindeutig und der Hund weis genau wann er zu zuhören hat und wann er sich seiner „Schnüffelei“ widmen kann.

Das Leckerchen

Bitte denken sie an das Leckerchen. Wenn ihr Hund ein Kommando gut ausgeführt hat bekommt er bei den ersten Malen immer ein Leckerchen. Das wirkt Wunder. Die Leckerchengabe sollte im laufe der Zeit, wenn das Kommando sitzt, weniger werden.

roland kruggel, Oktober 2021

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